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MindWalk 23/32 – Tag 13, Montheron, später Vufflens-la-Ville

An die Frau, welche Augustine abholte, erinnert er sich heute noch. Sie war nicht nur schön, sie war wunderschön. Am liebsten hätte er wohl Frau und Hund mitgenommen. Wenn er da „Gram, Gram!“ schrieb gestern, dann gehen ihm diese ganzen Szenen und sein Entscheid von gestern heute auf Schritt und Tritt nach – wie Augustine zum Beispiel gestern tatsächlich über eine Stunde auf ihn im giessenden Regen sitzend wartete, ohne zu jaulen oder zu bellen, bis er wieder aus dem Schulhaus kam. Jetzt ist er wieder alleine „auf der Socke“ und trauert nun dem nach, was sein Entschied fordert.

Eine kleine erste Erfahrung lebt er, wie es sein würde, wenn er dann das erste Mal den Atlantik sähe, ihn zu Fuss erreicht haben würde, ihn erblicken täte, nach dem langen Marsch. Jetzt ist es der Lac Léman, als erste Erfahrung, immerhin. So eindrücklich, dass ihm dafür ein biblisches Zitat nicht zu schade zu sein scheint.

Tag 13, Kloster Montheron

  • Kloster Montheron, nicht mehr existent – 1536 (Reformation) aufgehoben.
  • Alle weiteren Zisterzienserkloster der Schweiz:
  • Baumont 1123 – 1537
  • Hauterive 1138 – heute
  • Montheron 1138-1536
  • Frienisberg 1138-1528
  • Hauterêt 1143 -1537
  • Kappel 1185 – 1527
  • St Urban 1194 – 1848
  • Wettingen 1227 – 1841
Foto: “Montheron” – Skizze aus dem Tagebuch

Ich kam in die Stadt, des Weiten von hier, gestellt mich auf dem Platz und hinter mir das Denkmal des Helden des Vaterlands dessen Name eines jedem bekannt.

Quelle heute nicht mehr bekannt

Wollte Lausanne grossräumig umgehen und tat dies dann auch – tausendschrittig ging ich zweimal um hundertachtzig Grad in die falsche Richtung. Gegen Abend sah ich dann doch von der Höhe ob Mex den Lac Léman, Moses ähnlich, der ins gelobte Land blicken durfte. Ich hoffe, dass ich im Gegensatz zu ihm zumindest an seiner Küste ankommen werde. – Inzwischen habe ich auch mit Hilfe dieser mühsamen Erfahrungen gelernt, mit der Sonne zu gehen, mich zu orientieren. Manchmal dachte ich an Augustine und stellte mir den Tag mit ihr vor. Was wäre anders gewesen? Wie wäre die Begegnung mit dem grossen, schwarzen Hund verlaufen? Hätten wir ihn überhaupt getroffen?

Ich erinnere mich, wie ich ihm gestern Fleisch gab. Er mochte es nicht. Um mich aber nicht zu kränken, packte er ein Stück, behielt es in der Schnauze, kam mit mir und legte es in einem unauffälligen Augenblick hinter einem Auto ab. Ja, wir hätten uns gut verstanden. Pflotschnass war er, als ich vom Nachtessen zurückkam. Das Gewitter ertrug er geduldsam vor der Tür des Schulhauses.Es schien mir heute, ich ginge, um all diese guten Gedanken aus mir herauszustampfen. Als ich heute auf der Höhe über dem Lac Léman stand, sah ich einen Zwinger mit vielen kleinen Hunden. Auch an ein Pferd denke ich viel. Das wäre jetzt ein ganz neues Erlebnis. Aber bis ich dazu komme, brauche ich noch einen grossen Schritt zu tun. Bei Chalet à Gobet wimmelt es von Pferden und einige Villen mit Weiden, von weissen Holzzäunen umrandet, waren anzutreffen. Ich schaffe es nicht, Gedanken des Tages niederzuschreiben. Was kommt, scheint mir jetzt aufgesetzt.

Foto: “Vufflens-la-Ville” Skizze aus dem Tagebuch