Zusammen mit dem Dreiundzwanzigjährigen sind wir in Einsiedeln im Jahre 1988, – sein WG-Zimmer ist aufgegeben, sein Job gekündigt und auf der Gemeinde hat er sich abgemeldet. Neben ihm steht sein Rucksack, daran angelehnt sein Wanderstock  und aus der Tasche, die an seinem Gürtel hängt, zieht er sein Skizzen- und Reisetagebuch hervor. Er öffnet es und schreibt zum ersten Mal hinein.

Am Abend vor dem Start, 27.04.1988

Dieses Buch ist schön. Das Papier saugfähig, leicht rau – eine Wonne, hineinzuschreiben. Ich hoffe, es begleite mich gut und komme mir nicht abhanden!

In der Kirche war ich einige Sekunden. Der Wächter schloss. Nachdem ich exemplarisch zu Nacht gegessen habe, geht’s jetzt ans Schlafplatzsuchen. Leicht hat es getröpfelt.

Morgen starte ich. Der Rucksack ist schwer. Ich muss mir bald überlegen, was ich rausschmeissen will.

Vor meinem Vorhaben fürchtet mir. Die Anstrengung, die Einsamkeit und das Ungewisse liegen mir auf. Jetzt bin ich noch «zuhause». Aber bald kommt der Rösti- und dann der Camembertgraben. Und da werde ich zu beissen haben. – Ich weiss, dass viele mit mir gehen. Und das stärkt mich. Diese Gewissheit brauche ich.

Zeichnung: Einsiedeln - Le Puy
«Blick auf die Marienstatue in Le Puy»
Skizze aus dem Tagebuch, gezeichnet nach einem Monat Fussweg